Selbstlerntechniken

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Selbst-gesteuertes Lernen ist eine Schlüsselqualifikation

Aber Selbststudium wird von vielen Weiterbildungsanbietern fälschlicherweise als strategische Bedrohung wahrgenommen

Die Fähigkeit, selbst-gesteuert effektiv lernen zu können, ist der wichtigste lebenslang wirkende Lernerfolg eines Hochschulstudiums. Sie wird aber an keiner Stelle im Hochschulsystem bewusst und aktiv gefördert und trainiert, sondern entsteht eher ungeplant in den staatlichen Hochschulen durch das weitgehende Fehlen einer effektiven Studentenbetreuung.

Auch wird die Fähigkeit zum Selbststudium von keinem Weiterbildungsunternehmen als Weiterbildungsthema angeboten. Das ist dann konsequent, wenn man die Fähigkeit zum Selbststudium als substitutive und nicht als eine komplementäre Dienstleistung ansieht. In diesem Fall ist die Fähigkeit zum Selbststudium eine strategische Bedrohung für die Geschäftsgrundlage der Weiterbilder, denn sie würde den Weiterbilder überflüssig machen. Diese Sichtweise verkennt aber völlig das Wesen der Selbstlernfähigkeit. Je stärker diese Fähigkeit entwickelt ist, desto höher ist die Lernproduktivität bei der Weiterbildung und die Bildungsrendite für denjenigen, der sich weiterbildet. Das wiederum steigert die Produktivität und damit die Nachfrage nach Weiterbildung und die Zahlungsbereitschaft. Weiterbildungsinstitute handeln also sehr kurzsichtig, wenn sie nicht aktiv Angebote zum Selbstlernen machen.

Komplementär oder Substitut? Der Wachstumsmarkt des Selbst-Lernens

Die beiden Autoren von Rosenbladt und Bilger [2008] schreiben zur Bedeutung des sogenannten informellen Lernens – also das Lernen ohne Dozenten:[1]

„Eine deutlichere Zunahme verzeichnen informelle Lernaktivitäten außerhalb von Kursen und Veranstaltungen. Im BSW [Berichtssystem Weiterbildung] werden verschiedene arbeitsplatznahe Formen der beruflichen Qualifizierung als ‚informelle berufliche Weiterbildung‘ erfasst.

Der Anteil der Erwerbstätigen, die in den letzten 12 Monaten an mindestens einer dieser Formen teilgenommen haben, beträgt in der aktuellen Erhebung 68% gegenüber 61% drei Jahre zuvor. ‚Selbstlernen in der Freizeit‘ – in dem Sinne, dass man ‚sich selbst etwas beigebracht hat‘ – berichten jetzt 39% der Befragten gegenüber 35% drei Jahre zuvor.“ (Seite 4)

„Mit zunehmendem Alter steigt dagegen der Anteil der ‚ausschließlichen Selbstlerner‘ – wie man Personen bezeichnen kann, die an Bildungsveranstaltungen nicht teilnehmen, aber dennoch ‚lernaktiv‘ in dem Sinne sind, dass sie ‚sich selbst etwas beibringen‘“. (Seite 5)

Die wichtigste aller Kompetenzen – Die Fähigkeit zum selbständigen Lernen

Bildnachweis: Wikimedia

Im deutschen Gymnasium werden Menschen an die Hand genommen. Es wird ihnen alles „vorgekaut“: Vortrag des Lehrers, Tafelanschrift, Hausaufgabenheft, Klausuren, Hausaufgaben, Eintrag ins Klassenbuch sowie Zwang und Disziplinierung an allen Stellen, anmaßender, oberlehrerhafter Ton der Lehrer, wenn sie mit den Schülern sprechen, Machtmißbrauch und Willkür bei der Notenvergabe und der Versetzungsentscheidung zur nächsten Klasse. All das sind für Millionen von Absolventinnen und Absolventen keine allzu positiven Erinnerungen an das, was man Lernen nennt. Irgendwie haben die Gedanken Immanuel Kants es auch nach mehr als 200 Jahren nicht wirklich geschafft, im deutschen im Schulalltag umgesetzt zu werden – und das nicht nur in der Umgebung von Mettmann, also der Fundstellen der Neanderthaler.

An der deutschen, staatlichen Universität erlebt man dann das genaue Gegenteil: Niemand macht einem mehr Vorschriften, aber: keiner kümmert sich auch wirklich um die Organisation des Studienablaufes, weder zeitlich noch inhaltlich. Der Kontakt zu den Professoren beschränkt sich auf 5-10 Minuten Fragezeit, die man gnädig während der Sprechzeiten erhält – nachdem man sich bei manchen Professoren Wochen vorher in einer Warteliste hat eintragen müssen.

Im Verlauf ihres Studiums wird dann vielen Studenten klar, dass es eigentlich nur die Doktoranden sind, die die Professoren ausbilden wollen. Die Mehrzahl aller Studenten wollte aber eigentlich gar nicht die Laufbahn einschlagen, die ihre Professoren durchlaufen haben, nämlich ein ganzes Leben lang wissenschaftliche Artikel zu schreiben, die dann – vielleicht – von dem einen oder anderen befreundeten Kollegen gelesen wurden. Es ist sehr bequem für Professoren, sich nur auf diese Studenten zu konzentrieren, die so werden wollen, wie sie selbst geworden ist. Doktoranden muss man auch nicht mehr motivieren, zu lesen und zu lernen. Die sind schon motiviert, sonst würden sie ihre Dissertation nie zu Ende bringen können. Und wenn ein Professor nicht gerade begabt darin ist, komplizierte Dinge einfach zu erklären, dann zieht er sich schmunzelnd hinter dem Hinweis zurück, seine Lehrer hätten ihm auch nicht alles „vorgekaut“.

Auf diese Weise zwingt die deutsche, staatliche Hochschule ihre Studenten selbständig zu lernen und dabei zu einzuüben, wie man selbständig lernt. Und die Hartnäckigen unter den Studenten lernen dann auch einige der dazu notwendigen Techniken. Aber viele der Studenten kennen selbst in fortgeschrittenen Semestern wichtige Selbstlerntechniken nicht.

Welche Themen sind wichtig? Was muss ich lernen?

Jeder Dozent weiß, dass am Anfang der Kursentwicklung immer die Festlegung der Lernziele und die Erstellung des Syllabus stehen. Im Syllabus werden die Themen und Lehrinhalte sowie ihr Aufbau und die Abfolge festgelegt. Erfahrenere Studenten, die sich bereits etwas mit dem Thema beschäftigt haben, um das es geht, können bereits anhand des Syllabus erkennen, ob der angebotene Kurs fundiertes Wissen liefert, das den Tag überdauert, und ob er anspruchsvoll ist. Etwas schwieriger zu beurteilen ist dann für Studenten, ob der Kurs inhaltlich auf der Höhe der Zeit ist und ob innovative Inhalte vermittelt werden, die man nicht überall findet. Deshalb empfiehlt es sich, die unterschiedlichen Syllabi von verschiedenen Kursangeboten (und Inhaltsverzeichnisse von Lehrbüchern hierzu) zu dem gleichen oder sehr ähnlichen Thema zu vergleichen. Bereits durch solche Vergleiche lernt man schon eine ganze Menge. Man lernt die Themen kennen, um die es geht oder gehen sollte. Man sieht, wie unterschiedlich die Angebote sind, was die Themenbreite und Aktualität betrifft. Diese Recherchen erscheinen auf den ersten Blick etwas zeitaufwendig zu sein, aber einen Kurs zu absolvieren, von dem man nachher feststellt, dass er inhaltlich veraltet oder sehr lückenhaft war, bedeutet einen wesentlich größeren Zeitaufwand, der letztlich einen sehr hohen Zeitverlust darstellt. Und denken Sie immer daran, dass:

Der Wert neuen Wissens ist umso höher, je länger dieses Wissen angewendet werden kann

Um ein Beispiel zu nennen: Als der Autor dieser Zeilen 1995 mit der Nutzung des Internets beginnen wollte und sich das Buch „The Internet Unleashed“ von Steve Bang kaufte, wurde der Leser auf den ersten Seiten beglückwünscht zu dem Entschluss, das Internet zu nutzen, denn dies sei die Zukunft, die bald Millionen von Menschen weltweit nutzen würden. Im nächsten Absatz wurde der Leser dann allerdings darauf hingewiesen, dass man natürlich das Betriebssystem UNIX beherrschen müsse und dementsprechend vertraut sein müsse mit den dort genutzten Kommandos, andernfalls würde dem Leser natürlich die Welt des Internets verschlossen bleiben müssen. Daraufhin klappte der Autor dieser Zeilen das Buch wieder zu und las fortan keinen Satz mehr daraus. Warum?

Es war nicht einzusehen, weshalb man sich erst zum Programmierer ausbilden lassen müsste, damit man das hätte nutzen können, was bald die halbe Welt nutzen würde. Oder – mit anderen Worten: Wenn der Autor Steve Bang Recht gehabt hätte, dann hätte ja bald die halbe Welt UNIX Kommandos lernen müssen. Bei dieser Größenordnung kann man davon ausgehen, dass sich schnell Programmierer finden würden, die ein Programm schreiben würden, mit dessen Hilfe jedermann den Zugang zum Internet meistern würde, ohne UNIX-Kommandos memorieren zu müssen. Und so kam es dann auch. Netscape war ein solches Programm, und 1996 konnte man mit seiner Hilfe z. B. wissenschaftliche Artikel aus Australien innerhalb weniger Sekunden finden und herunterladen. Auf diese Weise konnte man vermieden, Wissen aufzubauen, das schon sehr bald wieder obsolet wurde. Vermeiden Sie deshalb, Wissen mit einer sehr geringen Nutzungsdauer aufzubauen. Das lohnt den Aufwand nicht, auch beruflich nicht.

Die Volkswirtschaftslehre – insbesondere die mikroökonomische Theorie erhebt den Selbstanspruch, analytische Resultate zu generieren, die so weit wie möglich unabhängig von Raum und Zeit sind. Und wer sich länger und intensiver mit dieser Wissenschaft beschäftigt hat, wird eine ganze Reihe solcher Resultate nennen und Beispiele in der Realität aufzählen können, die die zeitlose Relevanz dieser Analyseergebnisse belegen. Es ist zugegebenermaßen zeitaufwendiger mikroökonomische Theorie zu studieren als die deskriptiven, aber eben oft auch sehr banalen Lehrinhalte der Betriebswirtschaftslehre. Aber dieser zusätzliche Zeitaufwand zahlt sich langfristig dann wieder vielfach aus.

Self-Study Skills – Selbstlern-Techniken

Der beste und wichtigste Lehrer in Ihrem Leben sind Sie selbst. Niemand versteht besser als Sie, wie Sie lernen, welche Techniken des Lernens, die besten für Sie sind und welche Verständnisschwierigkeiten Sie am Lernfortschritt hindern. Deshalb lohnt es schon, zumindest ein wenig Zeit darin zu investieren, zu lernen, wie man ein effektiver und erfolgreicher „Do-it-yourself Lehrer“ wird. Wie so oft, so gibt es auch hier einige praktische Kniffe, wie man weiter kommt. Anstatt Sie hier mit langatmigen Ausführungen zur Pädagogik-Theorie oder der Theoriengeschichte der Pädagogik zu langweilen, konzentrieren wir uns nur auf praktische Lösungsschritte, die Ihnen weiter helfen können, ein erfolgreicher „Do-it-yourself Lehrer“ zu werden.

Was ist ganz allgemein wichtig beim Lernen?

Gute Stimmung

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Man muss sich in einer guten Stimmung befinden oder eben bewusst in eine gute Stimmung bringen, um produktiv lernen zu können. Wenn man deprimiert ist, kann man nur sehr schwer neues Wissen in sich aufnehmen, das dann auch länger im Gedächtnis bleibt. Es gibt aber auch Techniken, wie man sich selbst in eine bessere Stimmung bringen kann. Manchen Menschen hilft Musik, um eine positive Stimmung zu erlangen. Das geht soweit, dass manche Menschen besser mit Musik lernen können als ohne. Sport zu treiben ist ein anderes Mittel, das nachweislich die Stimmungslage bei vielen Menschen verbessert. Soziale Kontakte mit den Menschen, die wir schätzen, ist ein drittes erfolgreiches Mittel, um fröhlicher und glücklicher zu werden. Das schnellste, jederzeit verfügbare und vermutlich auch wirksamste Mittel von allen ist – Humor.

In diesem Punkt unterscheiden sich deutsche und US amerikanische Lehrbücher radikal. Während deutsche Lehrbücher Humor strikt vermeiden, gehört diese Dimension bei den besonders erfolgreichen US amerikanischen Lehrbüchern zum Standard, sei es in Form von humorvollen Zitaten oder Cartoons oder einfach im Text durch humorvolle Formulierungen. Es hat aber nichts mit „Oberflächlichkeit“ oder fehlender Ernsthaftigkeit zu tun, wenn sich Textbuchautoren um Humor bemühen. Es ist nachgewiesen worden, dass Humor die Lernproduktivität erhöht. Selbstlerner können solche Defizite der deutschen Textbuchautoren aber leicht dadurch nachbessern, indem sie zum Studienthema einfach das Wort „Cartoon“ in das Suchfenster bei der Google-Suchmaschine für Bilder eingibt.

Auf diese Weise wird man sehr häufig auch auf Probleme aufmerksam, mit denen sich das Studienfach eigentlich auch beschäftigen sollte. Um ein Beispiel zu nennen: Wer z. B. BWL studiert und sich hier mit dem Fach Rechnungslegung („accounting“ im Englischen) beschäftigen muss, der sollte auf jeden Fall einmal die beiden Suchbegriffe „accounting“ und „cartoon“ mit der Google-Suchmaschine für Bilder suchen. [1] Auf diese Weise wird der Student plötzlich auf den großen Unterschied zwischen der Beschreibung des wünschbaren, betrieblichen Zustands und der tatsächlichen Realität und ihrer Probleme aufmerksam gemacht. Durch Cartoons kann man sehr viel über die tatsächlichen Probleme lernen, die in betriebswirtschaftlichen Beschreibungen ja nicht vorkommen, weil das Analyse und nicht Beschreibung verlangen würde. Humor ist deshalb alles andere als „oberflächlich“.

Hohe Frustrationstoleranz

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Ein weiterer Faktor für den Erfolg ist es, eine möglichst hohe Frustrationstoleranz zu besitzen, also die Fähigkeit, sich nicht durch Mißerfolge oder Rückschläge entmutigen zu lassen. Es gehört zum Lernen dazu und ist ganz normal, wenn man mal nicht weiter kommt, Verständnisschwierigkeiten hat oder den Eindruck bekommt, den Überblick zu verlieren. Nichts davon darf aber dazu führen, dass man sein Ziel aus den Augen verliert. Ohne eine ausreichende Frustrationstoleranz kann es leicht zum Abbruch des Studiums oder eines Weiterbildungsprogramms kommen, das sich über einen längeren Zeitraum erstreckt. Je mehr Erfahrung man aber beim Lernen hat, desto stärker ist einem bewusst, dass man solche Probleme lösen kann und desto mehr erprobte Techniken sind einem bekannt, wie man sie überwinden kann.

Insbesondere bei Online Kursen und Programmen ist die Abbruchquote besonders groß und hier zeigen sich die Qualitätsunterschiede zwischen Weiterbildungsanbietern aber auch zwischen Hochschulen sehr deutlich. Es liegt vornehmlich in der Verantwortung der Bildungsanbieter durch geeignete Befragungen oder Tests vor Beginn des Programms herauszufinden, ob die Person für das Bildungsprogramm geeignet ist und es mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolgreich beenden wird. Bildungsinstitute, die Personen in Programme aufnehmen, die sie offensichtlich überfordern werden und damit im Verlauf zum Studienabbruch führen, begehen letztlich eine Form des Betruges, der aber kaum gerichtlich verfolgt werden kann. Demgegenüber bemühen sich die hochqualitativen Weiterbildungsinstitute durch eine intensive und individuelle Studienbetreuung darum, den Teilnehmern bei Problemen zu helfen und sie dabei zu unterstützen, das Programm erfolgreich abzuschließen.

Wie überwindet man Rückschläge und Enttäuschungen? Am besten lernt man mit anderen Menschen zusammen und tauscht sich aus. Das kann einem sehr oft dabei helfen, Lernprobleme zu reduzieren oder zumindest zu relativieren. Und es zeigt sich auch, dass Menschen, die in Gruppen lernen, sich stärker verpflichtet fühlen, den Erwartungen der anderen zu entsprechen und dementsprechend nicht das Studienprogramm abzubrechen.

Steigerung der Eigenmotivation: Wie motiviert man sich selbst in der beruflichen Weiterbildung?

Die Motivationsstärke ist beim eigenständigen Lernen der ausschlaggebende Erfolgsfaktor. Als Student muss man sich daran gewöhnen, dass Professoren sich nur in seltenen Fällen bemühen, den Lehrstoff interessant zu machen und die Studenten zu motivieren. Hier muss man insbesondere im Grundstudium in der Lage sein, „auf Vorrat zu lernen“; damit ist gemeint: Man muss Lehrstoff in sich aufnehmen und lernen, auch wenn er einen gar nicht interessiert und man nicht versteht, warum diese Inhalte später einmal relevant wären.

In fortgeschrittenem Alter – also in der beruflichen Weiterbildung – kann man aber nur noch das effektiv lernen, was einen wirklich interessiert und von dem man selbst überzeugt ist, dass die Inhalte einem auch weiterhelfen. Auch in der Weiterbildung steht und fällt der Erfolg der Lernanstrengungen mit der Motivation. Für einige mag die finanzielle Bildungsrendite der alles entscheidende Motivationsfaktor sein, also das zusätzliche Einkommen, das man dadurch erreichen kann, dass man die Weiterbildung durchläuft. So hat es die Bild-Zeitung am 16.6.2016 dargestellt. Und für MBA-Studenten steht die finanzielle Bildungsrendite auch im Vordergrund und wird bei den Rankings der Programme stark gewichtet.

Viele andere Menschen schauen bei ihrer Berufswahl aber nicht in erster Linie auf das zusätzliche Einkommen, sondern wie sehr sie die Arbeit als sinnvoll ansehen. Sie werden zur Arbeit durch die Tätigkeit an sich motiviert und den Effekt, den sie für andere Menschen hat. Für diese Menschen ist bei der Lernmotivation die Sinnhaftigkeit der neuen Tätigkeit ausschlaggebend, auf die sie hinarbeiten. Es muss nicht gleich der „Traumjob“ sein, aber die Aussicht auf die neue Tätigkeit muss schon so motivierend sein, dass sie den Lerner über die üblichen Frustrationen hinwegträgt. Für diese Menschen steht zunächst einmal die Suche nach einem Arbeitsfeld im Vordergrund, das sie besonders motivieren kann.

Diese Menschen wollen dann aber ihre Arbeit auch richtig gut machen und nicht nur erledigen, um dann das Einkommen in der Freizeit außerhalb ihres Jobs konsumieren zu können. Diese beiden unterschiedlichen Motivationsgründe für die Arbeit haben dann auch ganz unterschiedliche Motivationsgründe für das Lernen bzw. das selbständige Lernen.

Die Lernmotivation ist das Spiegelbild der Arbeitsmotivation

Wenn ein Mensch nicht aus der Arbeit Befriedigung zieht, weil sie für unsere Welt einen wichtigen Beitrag darstellt, sondern nur deshalb, weil sie ihm zu einem Zuwachs an Geld und Macht verhilft, dann ist ihm nicht die Qualität seines Arbeitsergebnisses wichtig, sondern nur die Kompensation für ihn selbst. Dementsprechend dient dann auch Bildung und Weiterbildung nur dazu, diese Arbeit ausführen zu dürfen, um in den Genuss des Einkommens- und Machtzuwachses zu gelangen, aber nicht dazu, um die Qualität des Arbeitsergebnisses zu verbessern.

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Um ein Beispiel zu nennen: Viele von uns haben die Unterschiede bei der Qualität von Ärzten aus Sicht des Patienten schon selbst erfahren. Einige Ärzte minimieren radikal den Zeitaufwand pro Patienten, denn die Krankenkassen zahlen für eine Behandlungseinheit gleich viel unabhängig davon, wieviel Zeit sich der Arzt mit dem Patienten nimmt. Durch diese Minimierungsstrategie können diese Ärzte ihr Einkommen für ihre Arbeitszeit pro Tag erhöhen. Die Minimierung der Zeit pro Patient hat aber einerseits einen direkt negativen Effekt auf die wahrgenommene Beratungsqualität beim Kunden. Andererseits erhöht sich durch diese Minimierungsstrategie der Anteil der Fehldiagnosen, die der Arzt in seinem Leben trifft. Beides reduziert aber nur die Beiträge, die der Arzt für unsere Welt leistet. Sie reduziert aber nicht die Ergebnisse, die seine Tätigkeit für ihn selbst hat. Für andere Ärzte, die ihre Arbeitszufriedenheit vorwiegend daraus ziehen, dass sie mit einer höherwertigen Arbeitsleistung der Gemeinschaft dienen, steht aber die Qualität ihrer Arbeit für die Patienten im Vordergrund und nicht ihr eigenes Einkommen.

Nun müssen Ärzte einen bestimmten Umfang an Weiterbildung „auf sich nehmen“, um ihre Lizenz zu behalten. Wie werden sich diese Unterschiede bei der Arbeitsmotivation in der Lernmotivation reflektieren? Für den zeitminimierenden Arzt ist die Weiterbildung nur ein notwendiges Übel, um die Arztlizenz zu behalten. Das zusätzliche Wissen, das solche Ärzte hierdurch aufnehmen können, hat keinen Einfluss auf ihr eigenes Einkommen, sondern „nur“ auf die Qualität ihrer Arbeit für unsere Welt. Die Lernmotivation dieser Ärzte beschränkt sich auf die Bemühungen, die erforderlich sind, um den Schein zu bekommen. Das tatsächliche Wissen, das sie hier erlangen können, ist für sie irrelevant, denn es verbessert ja nur die Qualität ihrer Arbeit für andere, aber nicht das Ergebnis für sie selbst. Ihre Lernmotivation hält sich deshalb in sehr engen Grenzen, und wenn es andere Möglichkeiten gibt, diesen Schein zu erhalten, ohne tatsächlich etwas lernen müssen, nehmen sie diese Möglichkeiten sofort wahr.

Steigerung der Arbeitszufriedenheit durch Weiterbildung

Für Ärzte aber, die ihre Arbeitszufriedenheit aus dem Effekt ziehen, den sie mit ihrer Arbeit für die Gemeinschaft erbringen, bedeutet zusätzliches Wissen, dass die Qualität ihrer Arbeitsergebnisse steigt, wodurch direkt auch ihre eigene Arbeitszufriedenheit zunimmt. Damit ist die Lernmotivation dieser Ärzte eins-zu-eins an ihre Arbeitsmotivation gekoppelt. Ihre Arbeitsmotivation treibt ihre Lernmotivation. Dozenten brauchen diese Ärzte nicht mehr zu motivieren, Neues zu lernen. Sie sind schon durch ihre Arbeitsmotivation dazu motiviert. Die Arbeitsmotivation der zeitminimierenden Ärzten hingegen hat auch bei der Weiterbildung eine Minimierungsstrategie zur Folge. Sie lernen nur so viel, wie sie unbedingt müssen, um den Schein zu wahren und ihn zu erhalten.

Für Dozenten gehören die Erfahrungen mit den unterschiedlichen Lernmotivationen zum Arbeitsalltag. Manche Lerner fragen dauernd nach, wollen mehr wissen und den Dingen auf den Grund gehen. Andere stellen permanent die Frage: „Ist das klausurrelevant?“ Oder: „Können wir die Sitzung am Samstag nicht zeitlich straffen, weil ich noch Shoppen gehen kann.“ Aber auch Plagiat, Pfuschen bei der Klausur und Trittbrettfahrer bei den Gruppenarbeiten sind untrügliche Zeichen dafür, dass man es hier nicht mit Menschen zu tun hat, die einen unbändigen Wissensdrang und die notwendige Neugierde auf Neues besitzen, um ihre Arbeit zum Wohle der Allgemeinheit zu verbessern.

Wahl eines motivierenden Themas für die Bachelor oder Master Thesis

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Die eingangs gestellte Frage: „Wie motiviert man sich selbst in der beruflichen Weiterbildung?“ macht nur Sinn für Menschen, die durch den Arbeitsinhalt motiviert werden, bzw. eine Arbeit suchen, mit der sie sinnvolle Beiträge leisten können, durch die sie dann motiviert werden. Was bedeutet das ganz praktisch? Beispielsweise sollten Studenten, die nach einem Thema für ihre Bachelor oder Master Thesis suchen, sich zunächst fragen, in welche Richtung sie sich beruflich entwickeln wollen. Nur ein kleiner Bruchteil der Studenten möchte eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen. Für sie ist der Stand der wissenschaftlichen Diskussion ausschlaggebend, über die die Professoren für ihre jeweiligen Fachgebiete kompetent Auskunft geben können. Alle anderen Studenten, die keine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen wollen, sollten sich überlegen, in welcher Branche und in welchem Berufsfeld sie später arbeiten wollen.

Wahl eines motivierenden Themas für die weiterbildende Studienarbeit

Genau diese Strategie kann und sollte man auch in der beruflichen Weiterbildung anwenden, insbesondere dann, wenn es um eine Neuorientierung und eine Weiterbildung geht, die intensiver ist und sich über einen längeren Zeitraum erstreckt. Bei einer beruflichen Neuorientierung muss man sich eine Branche und ein Arbeitsfeld suchen, dass einen wirklich interessiert und in dem man gerne arbeiten würde und für das man eine sehr hohe Arbeitsmotivation besitzt. Dementsprechend muss man sich ein Thema suchen, das für diese Branche und dieses Arbeitsfeld wichtig ist und das für den zukünftigen Arbeitgeber relevant ist. Auf diese Weise motiviert man sich wirkungsvoller selbst, als dass dies irgendein ein noch so begabter Dozent je könnte.

Eliminierung von demotivierenden Faktoren in der Weiterbildung

Ein weiterer Schritt, um die Motivation kontinuierlich über den ganzen Prozess der Weiterbildung aufrecht zu erhalten und zu stärken, besteht darin, alle Faktoren zu eliminieren, die einen während dieser Zeit demotivieren könnten. Zu diesen demotivierenden Faktoren gehört vor allem auch die Unsicherheit über die korrekte Dokumentation des Lernerfolgs Dritten gegenüber. Was ist damit gemeint?

Es wäre widersinnig, wenn Menschen, die selbständig lernen wollen und können, die sich die Lerninhalte selbständig danach ausgesucht haben, ob sie zu dem neuen Arbeitsfeld passen, das sie sich selbständig gewählt haben, dann doch wieder wie die kleinen Kinder in der Schule von der Benotung eines einzelnen Dozenten abhängig gemacht werden. Es ist auch heute noch eher die Regel als die Ausnahme, dass in der beruflichen Weiterbildung schriftliche Klausuren verwendet werden, um den Lernerfolg zu bewerten. Aus Sicht des Weiterbildungsanbieters sind Klausuren sehr zeit- und kostensparend sparend. Aber weder für die Lerner noch für die Arbeitgeber ist diese archaische Form der Leistungskontrolle und Leistungsbewertung informativ und sinnvoll.

Noten für handschriftliche Klausuren sollen die Kompetenz des Lerners objektiv belegen. Sie sind aber von sehr vielen „Störgeräuschen“ überlagert, die sich durch die vielen Zufälligkeiten der Notenvergabe ergeben. Zu diesen Störgeräuschen gehören:

  1. Tagesform,
  2. Nervosität,
  3. Missverständnisse bei der Bearbeitung von Klausurfragen,
  4. willkürliche Bewertung der Klausur durch den Dozenten,
  5. geringe Relevanz des abgefragten Wissens für die Arbeitspraxis,
  6. nach außen völlig intransparentes Anspruchsniveau des abgefragten Wissens,

Besonders schwer wiegt aus Sicht des Arbeitgebers, dass man aus solchen Ergebnissen die Relevanz der Inhalte für die Tätigkeiten nicht ablesen kann. Viele Klausuren in der Weiterbildung fragen eben das Wissen ab, über das die Dozenten verfügen. Aber der Arbeitgeber will ja nicht die Dozenten einstellen, sondern sucht Mitarbeiter, die das gelernt haben, was man für die Arbeitsaufgaben im betreffenden Unternehmen auch braucht. All dies sind Störquellen, die verhindern, dass der Arbeitgeber ein tatsächlich zutreffendes Bild des Kompetenzerwerbs des Bewerbers erhalten könnte.

Transparente Lernergebnisse für Selbstlerner statt Noten für handschriftliche Klausuren

Für die Teilnehmer an solchen Weiterbildungsprogrammen ergeben sich aber mehrere sehr negative Effekte aus dieser Form der Dokumentation der tatsächlichen Lernergebnisse. Der wichtigste negative Effekt besteht in der Unsicherheit darüber, ob die zusätzlich erworbenen Kompetenzen auch richtig dokumentiert werden. Auch kompetenten Personen, die sich erfolgreich weitergebildet haben, kann es passieren, dass aufgrund der genannten Störgeräusche die tatsächliche Kompetenz durch das Prüfungssystem völlig verzerrend gemessen und dokumentiert wurde, so verzerrend, dass man die Prüfungsergebnisse besser verschweigt.

Unterschiedliche Formate für die Dokumentation des Lernerfolges

Die Antwort darauf lautet, dass man seinen eigenen Lernerfolg und Kompetenzgewinn nachvollziehbar für andere dokumentieren muss. Das Standardformat hierfür ist die schriftliche Ausarbeitung der Diplomarbeit oder heute der Bachelor oder Master Thesis. Aber nicht jedem liegt es, 20 Seiten und mehr über die eigenen Verständnisfortschritte zu schreiben. Schriftliche Ausarbeitungen sind aber nicht die einzig mögliche Form der Dokumentation selbständig erarbeiteter Lernergebnisse. Es existieren eine ganze Reihe von unterschiedlichen Formaten, die hierfür in Frage kommen und die im Internet publiziert werden können. Mögliche Formate für im Internet publizierbare Lernergebnisse sind z. B.:

  1. mehrseitige schriftliche Ausarbeitung in Form eines „White Papers“,
  2. eine auf Video aufgezeichnete Präsentation, in der die Ergebnisse mündlich vorgetragen werden,
  3. eine mündlich kommentierte (mit Audio-File) Power-Point-Präsentation, in der die Ergebnisse vorgetragen werden,
  4. ein kommentierter Internet-Guide zu Ressourcen, die relevant für das Gelernte sind,
  5. Spielszenen als Gruppenarbeit, die auf Video aufgezeichnet wurden,
  6. kommentierte Excel-Spreadsheets (z. B. Datenauswertungen oder Simulationen),
  7. Kurzzusammenfassungen von Gelerntem, Abstracts oder
  8. kommentierte Visualisierungen von gelernten Zusammenhängen.
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Welches Format für die Learning Outcomes für einen konkreten Kurs und eine konkrete Person geeignet ist, hängt von den Inhalten, Lernzielen, aber auch entscheidend von den Fähigkeiten und Talenten des Lerners ab. Diese Lernergebnisse sind ein zentraler Teil der Weiterbildung und ungleich relevanter für das Arbeitsleben und für das wirtschaftlich bewertbare Humankapital als auswendiggelerntes Textbuchwissen, das in 90minütigen, handschriftlichen Klausuren abgefragt wird und dann von einem Dozenten bewertet wird. Darüber hinaus entsprechen Klausuren auch in keiner Weise den Arbeitsergebnissen, die man am Arbeitsplatz erbringt. Die genannten Formate i.-viii. entsprechen aber den Formaten, in denen viele Arbeitsergebnisse angefertigt werden und können deshalb auch als Arbeitsproben angesehen werden.

Durch kommunizierbare Lernergebnisse werden all diese Verzerrungen und Störgeräusche eliminiert. Der Arbeitgeber kann sich selbst von der Qualität und dem Kompetenzniveau des Humankapitaleigentümers überzeugen und eine Bewertung vornehmen, ohne Dozenten dazwischen schalten zu müssen. Dadurch werden auch die zweifelhaften „Dienste“ der Akkreditierer, die sich anmaßen, die „wahre Qualität der Wissensvermittlung“ beurteilen zu dürfen, obsolet.

Brauchen berufserfahrene Menschen zertifizierte Weiterbildungszeugnisse?

Eine selbsterstellte Dokumentation der Lernergebnisse ist nicht durch eine akkreditierte Hochschule oder eine staatlich anerkannte Weiterbildungseinrichtung zertifiziert. Damit stellt sich die Frage, ob ein solches Arbeitsergebnis glaubwürdig sein kann. Das hängt sicher von der Glaubwürdigkeit der Person und ihrem bisherigen Lebenslauf ab. Wenn z. B. ein Lernergebnis präsentiert wird, das in der Qualität und vom Anspruch her weit über das hinausgeht, was die Person durch den bisherigen Lebenslauf vorweisen kann, dann entstehen ernsthafte Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Eigenleistung. Es macht aber aus Sicht des Lernenden wenig Sinn, sich durch solche mit Plagiat angereicherten „Lernergebnisse“ einen Arbeitsplatz erschleichen zu wollen. Bereits in der Probezeit würden die Diskrepanzen zwischen vorgetäuschter und tatsächlicher Kompetenz offenbar werden. Generell steht bei der Weiterbildung von berufserfahrenen Mitarbeiter nicht mehr die Lernfähigkeit der Person im Fokus bei der Beurteilung durch den Arbeitgeber, wie dies noch beim ersten Hochschulabschluss der Fall ist. Vielmehr kommt es hier auf die Relevanz der Lehr- und Lerninhalte an und darauf, in wie weit diese Inhalte die Kompetenzen des Bewerbers für den Arbeitsplatz passgenau erweitert haben. Viel wichtiger als Akkreditierungen und Zertifikate ist in diesen Fällen, dass sich der Arbeitgeber selbst darüber informieren kann, welche Inhalte der Bewerber denn tatsächlich gelernt hat und damit für die Position befähigt ist.

Was tun, wenn man „stecken bleibt“, wenn man nicht weiterkommt?

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Wenn man sich auf bisher unbekanntes Terrain begibt, ist es ganz natürlich, dass man auf dem Weg zu seinem Ziel stecken bleibt. Um wieder weiter zukommen, gibt es mehrere Techniken, die helfen können:

Unbekannte Begriffe

In diesem Fall sucht man in Glossaren oder im Internet nach der Begriffsdefinition suchen. Bei der Internetsuche solle man noch zusätzlich zum Begriff das Wort „Definition“ in das Suchfeld eingeben. Das liefert dann normalerweise die gewünschte Definition.

Unbekannte mathematische, statistische oder ökonometrische Techniken

Mathematik ist eine Sprache. Wenn einem das Wissen zu bestimmten Grammatikregeln oder von Vokabeln fehlen, kommt man nicht weiter. So ähnlich ist es auch in der Mathematik. Wenn man in der Mathematik (oder anverwandten Gebieten wie der Statistik und der Ökonometrie) nicht weiter kommt, dann liegt es sehr häufig daran, dass der Autor Konzepte, Theoreme, Techniken voraussetzt, die man selbst noch nicht kennt oder ausreichend verstanden hat. Dann muss man nach Büchern suchen, die diese grundlegenden Inhalte erklären. Woher weiß man aber, dass einem solche Grundlagen fehlen und wo findet man dann die Erklärung dieser Grundlagen?

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„https://www.youtube.com/watch?v=UlFV32kAzdQ“
„My Math Book Collection“
Immer dann, wenn man mathematische Inhalte lernen will, sollte man nicht nur ein Lehrbuch auf dem Tisch haben, denn:

  • Unterschiedliche Autoren erklären für einen selbst unterschiedlich gut, d. h. unterschiedliche Lerntypen werden das gleiche Lehrbuch unterschiedlich positiv beurteilen.
  • Unterschiedliche Autoren benutzen unterschiedlich umfangreiche natürlich-sprachliche Erläuterungen, ohne sich dabei wieder der Mathematik zu bedienen. Mathematiker, die in erster Linie nur für Mathematiker schreiben wollen, nutzen sehr wenig natürlich-sprachliche Erläuterungen. Man erkennt also auf den ersten Blick schon am Anteil der natürlichen Sprache im Vergleich zur mathematischen Sprache, an wen sich der Autor wendet und für wen dieses Buch geschrieben ist.
  • Zu sehr vielen Themen findet man Lehrbücher für drei unterschiedliche Niveaus:introductory (einführend), intermediate (fortgeschrittener Anfänger) und advanced (fortgeschritten). Wenn man Verständnisschwierigkeiten hat, sollte man eine Stufe zurück gehen und stärker einführende Texte nutzen. Wie findet man solche Texte? Im Internet kann man sehr leicht nach einführenden Darstellungen suchen, indem man bei der Suche zum Begriff, nach dem man sucht zusätzlich noch die Suchbegriffe: „introduction“ oder „primer“ hinzufügt.Das liefert dann Texte mit einführenden Erklärungen.
  • Und schließlich ist sehr wichtig zu wissen für alle, die sich zu den eher akademischen Themen weiterbilden wollen, dass es meistens zum gleichen Thema eine Vielzahl von Lehrbüchern gibt. Als erste Orientierung können hier kommentierte Literaturhinweise genutzt werden, wie sie sich z. B. auf https://mathblog.com/ finden. Im nächsten Schritt kann man dann auf Google Books gehen und einige Seiten anlesen, um auf diese Weise festzustellen, ob welche Autoren die Inhalte so erklären, dass man sie auch verstehen kann.

Wenn man dann immer noch nicht weiterkommt

Dann muss man Menschen finden, die vermutlich die Antwort kennen, die man fragen darf und zu denen man Vertrauen in die Kompetenz und die Fähigkeit hat, Verständnisprobleme freundlich – also nicht herablassend – und verständnisvoll und hilfsbereit zu beantworten.

Damit man aber diese Personen nicht dauernd in Anspruch nimmt und zeitlich belastet, sollte man seine Verständnisprobleme so präzise wie möglich aufschreiben. Dadurch, dass man gezwungen ist, präzise aufzuschreiben, was man denn nun nicht verstanden hat, identifiziert und isoliert man sehr häufig ganz selbständig den Grund des Verständnisproblems und kann in vielen Fällen dann selbständig nach der Lösung suchen.

Aber auch wenn das nicht der Fall ist, so beschleunigt eine Liste mit präzisen Fragen zu den eigenen Verständnisproblemen die Problemlösung sehr, wenn man sich darüber mit einem Lehrer, Professor, einem wissenschaftlichen Mitarbeiter oder einem anderen Studenten aus einem höheren Semester unterhält. Und durch eine solche präzise Formulierung beweist man auch glaubwürdig, dass man sich selbst bereits bemüht hat, das Verständnisproblem zu überwinden.

Was kann man aber tun, wenn man als Selbstlerner keinen Zugang zu einer Hochschule hat?

Die Antwort lautet: Dann sollte man ein entsprechend geeignetes Diskussionsforum finden. So sind z. B. IT-Entwickler typischerwese besonders begabte Selbstlerner und nutzen Diskussionsforen in beide Richtungen: Sie suchen sich Rat und sie haben Freude daran, anderen beim Lernen und Lösen von Problemen zu helfen. Denn durch solche Beiträge lernt auch der Lehrer. Man kann sich besser selbst einschätzen, wie gut man eine Thematik verstanden hat und fähig ist, neue Probleme zu lösen. Und vor allem machht es Spaß, anderen zu helfen und das eigene Wissen weiterzugeben. Für die Lerner, die Rat suchen, zahlt es sich an dieser Stelle aus, die eigene Frage so präzise wie möglich formuliert zu haben.

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„https://www.youtube.com/watch?v=rt5GDhzu_jI“
„How do you use a discussion forum?“

Die passenden Lerntechniken für unterschiedliche Lerninhalte

Die passenden Lerntechniken hängen natürlich vom Thema ab. In der deutschen Betriebswirtschaftslehre geht es in erster Linie um das Beschreiben und nicht um das Analysieren. Deshalb steht hier das Auswendiglernen im Vordergrund. Dabei helfen oft Karteikarten wie beim Vokabellernen. Das funktioniert immer bei stark granulierten Wissenspäckchen sehr gut. Die deutschen IHKs verlangen z. B. in den Prüfungen für den Bankfachwirt auch Wissen zum Fach Volkswirtschaftslehre (VWL). Wer je die Prüfungsfragen hierfür gesehen hat und VWL studiert hat, ist ziemlich schockiert darüber, wie man dieses Fach dermaßen bis zur Unkenntlichkeit zerstückeln kann, denn hier werden nur noch Definitionen und kleine Wissenspäckchen abgefragt. Das, worum es in der VWL eigentlich geht – die Fähigkeit, selbständig analysieren zu können – kommt nirgendwo vor. VWL kann man nicht durch Karteikarten auswendig lernen. Auch in der Mathematik, Physik und den Ingenieurwissenschaften ist das nicht möglich.

Die Effektivität einer Lerntechnik hängt also immer auch sehr vom Fach ab. Wenn man aber in ein und demselben Studienprogramm verschiedene Lerntechniken zur Anwendung bringen muss, dann stellt das für viele Studenten ein erhebliches Lernproblem dar. In vielen akademischen Studiengängen finden sich häufig ganz unterschiedliche Fächer in einem Programm, die wiederum ganz unterschiedliche Lerntechniken erfordern. Diejenige Lerntechnik, die z. B. so erfolgreich dabei war, die Klausur in Personalwirtschaft zu meistern, versagt notwendigerweise völlig in der Mikroökonomie.

Die passenden Lerntechniken für unterschiedliche Lerntypen

Manche Menschen können besser durch Zuhören lernen, andere besser durch Lesen. Das entdeckt jeder für sich allein, welcher Lerntyp sie/er ist. Dadurch, dass heute zu extrem vielen Themen Lernvideos auf dem Internet frei zugänglich sind, finden beide Lerntypen das passende Medium für ihre Lernstrategie, das ihnen erlaubt, noch einmal zurückzugehen und bestimmte Inhalte noch einmal aufzurufen. Videos kann man ja beliebig oft abspielen und ist nicht mehr darauf angewiesen, alles sklavisch mitschreiben zu müssen, wie in früheren Zeit das gesprochene Wort des Professors. In einem Videovortrag kann man in ähnlicher Weise „zurückblättern“ wie in einem Buch. Deshalb haben wir uns hier auf unserer Website sowohl auf Bücher als auch Videos hinzuweisen.

Ein lesenswerter Beitrag mit vielen weiteren Tipps, um die eigene Lernproduktivität zu steigern, hat Ashworth geschrieben. Seine Tipps hat er jeweils mit wissenschaftlichen Studienergebnissen untermauert.[1]

DIY-Video Lecture

Prinzipiell besteht heute die Möglichkeit, dass Studenten – vorausgesetzt sie erhalten vorher vom Dozenten die Erlaubnis dazu – die Vorlesung auf Video durch einen Camcoder oder durch ihr Smartphone aufnehmen können. Auf diese Weise können auch Lerntypen, die während solcher Vorträge häufig beginnen, selbständig über das Gesagte nachzudenken und dadurch einem Teil des Vortrags nicht folgen können, die gleichen Chancen auf entsprechende Noten gegenüber denjenigen haben, die das nicht tun. Solche Camcoder können aber von den Lernern auch dazu genutzt werden, selbständig Lernergebnisse jenseits der schriftlichen Form – eben z. B. in Form von Spielszenen des Arbeitsalltags oder eigenen Vorträgen – zu dokumentieren und im Netz zu veröffentlichen.

Portale und Suchmaschinen für frei zugängliche Online Vorlesungen, Kurse und Programme

Die eigentliche Revolution, die das Internet gebracht hat für die Bildung und für alle Menschen, die selbständig lernen wollen und können, sind nicht die aktienmarktnotierten E-learning Firmen, die dies so vollmundig vor 15 Jahren angekündigt hatten. Es sind die Open Source Quellen der Bildung, die nicht nur „anytime, everywhere“ verfügbar sind, sondern die obendrein auch noch kostenlos sind, sozusagen „anytime, everywhere, for free“ sind.

YouTube EDU

https://www.youtube.com/channel/UC3yA8nDwraeOfnYfBWun83g

FreeVideoLectures

1000+ Free Courses, 25000+ Video Lectures from 30+ Universities on 35+ Subjects

http://freevideolectures.com/

videolectures.net

Hier finden sich vorwiegend Interviews und Speeches zu einzelnen Themen wie z. B. „Leadership“ und „Big Data“ zu denen jeder etwas sagen und sehr viele Meinungen abgeben kann, die einem aber wenig helfen, ein anspruchsvolles Fach oder Thema besser zu verstehen. Es gibt aber auch eine ganze Reihe von Ausnahmen.

http://videolectures.net/

Open Courseware Consortium

Dies ist ein Search Engine für Open Courses, der aber wenig zielgenau arbeitet. Wenn man z. B. nach Economics sucht, erhält man als erstem Kurs eine Veranstaltung zur French Revolution angeboten. Auch ist es nicht möglich nach Fächern geordnet die bestehenden Kurse übersichtsartig zu sehen. Dieses Portal ist daher wenig geeignet.

http://www.ocwconsortium.org/courses/

Dokumentation und Publikation der Lernergebnisse der Autodidakten im Internet

Wichtig ist aber vor allem die Dokumentation des bisher Gelernten, damit man es noch einmal nachlesen kann und sich damit wieder ins Gedächtnis ruft. Viele Menschen prägen sich Inhalte dann am besten ein, wenn sie sie selbst noch einmal aufschreiben und strukturiert dokumentieren. In früheren Jahrzehnten verschwanden diese eigenen Manuskripte im Bücherschrank oder Keller und waren nach den Klausuren wertlos.

Bildnachweis: Screenshot von : https://de.wordpress.org/ am 14. Januar 2018.

Heute kann jeder, der etwas gelernt hat, was für andere mitteilenswert ist, diese Lernfortschritte z. B. mit Hilfe von WordPress (https://de.wordpress.org/) im Internet publizieren. Das wird sicher für viele Menschen irrelevant sein, insbesondere dann, wenn es sich um Standardwissen handelt, das Tausende bereits in gleicher Form gelernt haben. Aber immer dann, wenn Selbst-Lerner Inhaltegeneriert haben, die innovativ, originell, eigenständig und wertvoll für andere sein können, kann es sich für sie lohnen, diese im Internet zu publizieren und damit zukünftigen Arbeitgebern zu dokumentieren, über welche Kompetenzen sie verfügen. Die Aussicht darauf, am Ende der Lernbemühungen das eigene Wissen auch im Internet anderen mitzuteilen kann gerade für die stärker selbst-motivierten Lerner auch sehr motivationsfördernd wirken.[1]

Wie findet man selbständig den Einstieg in neues Thema?

Beim Selbststudium steht man häufig vor dem Problem, den Einstieg in ein neues Thema finden zu müssen. In akademischen Studiengängen hilft hier der Professor den Studenten dabei, den Einstieg zu finden, und bei Weiterbildungsstudiengängen müssen dies die Dozenten oder Mentoren tun. Aber auch ohne solche Hilfestellungen kann man Techniken nutzen, mit Hilfe derer man selbständig den Einstieg schaffen kann – ganz ohne die Hilfe Dritter. Hier gibt es mehrere Eintrittsstrategien und Quellen, die man nutzen kann.

Bücher

Natürlich ist Wikipedia heute für die meisten Menschen die erste Anlaufstelle, wenn sie einem neuen Begriff begegnen, den sie noch nicht kennen. Und in den letzten Jahren hat sich die Qualität vieler Einträge wirklich verbessert. Aber es sind eben auch sehr knappe, häufig auch nur elementare Einführungen. Wer es denn dann doch etwas ausführlicher wissen möchte, der sollte zu Büchern greifen und die einführenden Kapitel lesen. Es gibt nur sehr wenige Themen, über die bisher nicht in ausreichendem Maße Bücher geschrieben wurden. Bücher erlauben ungleich besser den Einstieg in eine dem Leser noch unbekannte Materie als Artikel aus wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Das hat mehrere Gründe. Akademische Fachzeitschriften dienen dazu, die wissenschaftliche Erkenntnis weiterzuentwickeln und wenden sich deshalb an Wissenschaftler, die sich an dieser Diskussion beteiligen wollen. Sie wenden sich normalerweise nicht an das breitere Publikum. Die Herausgeber bei den Verlagen achten aber darauf, dass ein Buch auch einen möglichst großen und damit breiten Leserkreis erreicht und auch für Leser geeignet ist, die noch nicht über allzu viel Vorwissen verfügen. Damit fällt dem Neuling der Einstieg entsprechend leichter. Das hat dann auch zur Folge, dass in Büchern häufig ein Überblick über viele relevante Themen gegeben wird, die mit dem Thema verbunden sind. Auch das erleichtert den Einstieg.

Introductions, Surveys und Primers

Eine Ausnahme in wissenschaftlichen Zeitschriften bilden diejenigen Artikel, in deren Überschriften einer der Begriffe „Introduction“, „Survey“ oder „Primer“ genannt wird. Solche Artikel erlauben auch dem Neuling den Einstieg in die entsprechende Thematik und sind für Studenten geschrieben. Es ist relativ leicht sie im Internet zu finden. Hierfür nutzt man entweder den Advanced Search Engine von Google:

https://www.google.com/advanced_search

oder die Google Suchmaschine für wissenschaftliche Artikel:

https://scholar.google.de/

Syllabus

In den USA ist es regelrecht eine Pflicht für Professoren, dass sie eine ausführliche Beschreibung für jeden ihrer Kurse geben, in denen sich der Ablauf der relevanten Themen und insbesondere Literaturhinweise zu den relevanten Lehrbüchern finden. Diese Kursbeschreibungen – Syllabus und im Plural Syllabi genannt – findet man zu sehr vielen Kursthemen als PDF-Files frei zugänglich im Internet. Sie strukturieren die Inhalte in ihrer Abfolge und geben kommentierte Hinweise zur Literatur, die den Einstieg liefern. Diese Syllabi stellen ein wichtiges Element der ansonsten so geringen Qualitätstransparenz der Bildungsangebote dar, denn die Lerner können sich vor Antritt des Kurses ein genaues Bild davon machen, was sie erwartet. Insbesondere das Anforderungsniveau kann man anhand der sogenannten „prerequisites“ und durch das Niveau der erforderlichen Literatur ziemlich genau einschätzen. Wie kann man aber mit Hilfe dieser Syllabi die relevanten Inhalte zu einem Thema finden? Nehmen wir das Thema „Eye-Tracking“ hier als Beispiel. Wenn man in Google Advanced:

„eye-tracking“ „Syllabus“ und als file type: PDF

eingibt, kann man eine große Zahl von Kursankündigungen finden, die an den unterschiedlichsten Fakultäten unterrichtet werden, wie z. B.:

Attardo, Salvatore and Lu, Shulan, ENG 697A.001 / PSY 697.001 Eye Tracking, Texas A&M University-Commerce, 2016.

Duchowski, Andrew, CPSC 412/612 Eye Tracking Methodology – Syllabus, Clemson University

Hutchinson, Wes, COURSE SYLLABUS – SPECIAL TOPICS: CONSUMER NEUROSCIENCE – MKTG 850-001, Spring 2016, The Wharton School, University of Pennsylvania, 1/13/2016.

Meißner, Martin, Using Eye-tracking in social science research projects, Institut for Sociologi, Miljø- og Erhvervsøkonomi, Esbjerg, Department of Sociology, Environmental and Business Economics, The University of Southern Denmark, 2015.

Peterson, Matt, Eye Movements and Perception, PSYC 768: Advanced Topics in Cognitive Science, Last updated 7/15/2015, George Mason University.

Schieber, Frank, Psyc 737 – Seminar in Human Factors Engineering – Eye Tracking: Measurement, Theory & Applications, Fall 2014 (version 1.0), Last updated 8/26/2014.

Je nachdem, welche Anwendung für den ratsuchenden Lerner interessant ist, scheiden von vornherein viele diese Syllabi aus. Aus der großen Anzahl bleibt dann im Endeffekt nur eine kleine Gruppe übrig.

MOOCs und Videovorlesungen

Einen wesentlichen Schritt weiter als nur die Syllabi, gehen die mittlerweile frei im Netz zugänglichen Videovorlesungen. Sie geben strukturierte Anleitungen zum Einstieg in das Thema und sind ganz sicher nicht schlechter geeignet, um mit dem Selbststudium zu beginnen, als sich in überfüllte Hörsäle zu setzen oder Vorlesungen als „Public Viewing“ Veranstaltungen zu erleben.

Sehr hilfreich ist hier auch die Google Video-Suchmaschine. Wenn man nach „Eye-Tracking“ sucht und die Suche auf „German“ einschränkt, bekam man am 12.12.2017 immerhin 501 Videos zu Eye-Tracking in Deutsch angeboten. Ohne Einschränkung auf die Sprache ergeben sich 181.000 Resultate. Schränkt man aber die Suche auf .edu Domains ein, wodurch die Suche auf Hochschulen eingeschränkt wird, so bleiben nur noch 178 Resultate übrig.

PPTs

Aber auch dann, wenn man zu einem innovativen Spezialthema nicht gleich einen vollständigen Video-Kurs im Netz findet, so lassen sich doch selbst zu sehr speziellen Themen häufig gleich eine ganze Vielzahl von Power-Point-Vorträgen im Internet finden. So konnte man z. B. zum Thema „3D-Druck“ am 18. Juni 2016 durch die gezielte Suche nach Dokumenten im Internet, die im PPT-Format hinterlegt waren insgesamt 79 solcher Power-Point Präsentationen finden. Wer im englischsprachigen Netz suchte, der konnte unter 1.980 Resultaten wählen.

Diese PPTs sind unterschiedlich kompetent, ausführlich und selbsterklärend geschrieben, aber die allermeisten kann man relativ schnell durchlesen, und wenn man sich mehrere angeschaut hat, dann hat man sehr häufig einen zutreffenden ersten Eindruck davon, worum es geht. Oft wird man durch PPTs auch auf Experten aufmerksam, die unter ihrer URL noch weitere Materialien zugänglich zu einem verwandten Thema machen. Häufig sind es Professoren, die mehrere PPTs zu ihrer Vorlesung im Netz halten.

Wie stellt man sicher, dass man tatsächlich verstanden hat, was man verstehen wollte?

Eine ständige Quelle der Motivation beim Lernen ist die Zusammenarbeit beim Lernen mit anderen. Mit anderen zusammen lernen hilft, Probleme beim Lernen zu lösen, Frustrationen zu überwinden, sich selbst immer wieder zu motivieren, und durch die Arbeit in der Gruppe baut sich auch eine gewisse Verbindlichkeit auf, einen Kurs oder ein länger dauerndes Kursprogramm erfolgreich „bis zum Ende durchzuhalten“ und nicht vorzeitig abzubrechen.

Schließlich lernt man auch sehr viel dadurch, dass man das Gelernte gleich anderen Menschen erklärt und vermittelt. Denn erst, wenn man das neu Gelernte einem anderen Menschen hat erklären müssen, erst dann weiß man wirklich, ob man es selbst verstanden hat, was man erklären will. Dieses „peer-to-peer learning“ nützt beiden Lernern. Es ist auch häufig viel effektiver, weil Lehrer und Dozenten längst ihre eigenen Lernschwierigkeiten vergessen haben, als sie diese Inhalten gelernt hatten.

Wie bewältigt man 100 Artikel für eine Master Thesis?

Wer tiefer in ein Thema einsteigen will und näher an den Stand der Forschung heranrücken will, als das üblicherweise durch Lehrbücher möglich ist, der muss wissenschaftliche Artikel lesen und ist dann sofort darauf angewiesen, völlig selbständig vorzugehen. Die meisten Lerner werden davon aber abgeschreckt, weil sie sich erstens von der schieren Masse an Literatur „erschlagen fühlen“, die bei einer Suche nach wissenschaftlicher Literatur in Google.scholar zutage tritt, und zweitens weil sie häufig die Standard-Technik noch nicht kennen, mit einer großen Anzahl an wissenschaftlicher Literatur in relativ kurzer Zeit zurecht zu kommen. Nun gibt es ganze Bücher zudem, was man als „Speed Reading“ bezeichnet, und wer eine Dissertation schreiben will, für den lohnt sich möglicherweise ein Blick in diese Bücher. Es gibt aber auch ein paar einfach Techniken, die man schneller lernen kann und für die man keine dicken Bücher braucht.

Dazu muss man zunächst einmal verstanden haben, wie alle wissenschaftlichen Artikel aufgebaut sind und wo man auf 1-1,5 Seiten die Zielsetzung und alle wesentlichen Resultate des  Artikels eines jeden Artikels findet, ohne, dass man den ganzen Artikel lesen muss. Es sind drei Teile in denen man das findet: der sogenannte Abstract, die Einleitung (introduction) und die Zusammenfassung (summary and conclusions). Wenn man das gelesen hat, dann kann man beurteilen, ob der Artikel für das eigene Erkenntnisinteresse relevant ist oder nicht. Nur wenn er relevant ist, lohnt es sich, den ganzen Artikel zu lesen und sich die Mühe zu machen, alles verstehen zu wollen. Wenn man verstanden hat, wie wichtig diese drei Teile in wissenschaftlichen Artikeln sind, dann hat man auch verstanden, warum man selbst, diese Bereiche mehrfach in der eigenen schriftlichen Arbeit überarbeiten sollte – solange eben, bis sie Lesern einen schnellen Einstieg ermöglichen.

Wie beurteilt man die Qualität von Büchern und Dozenten?

Das ist einerseits eine sehr gute Frage, andererseits ist die Antwort immer auch subjektiv. Deshalb macht es Sinn, die Antwort von mehreren Personen zu erfragen, die als kompetent erscheinen, denn Qualität hängt auch immer vom eigenen Anspruchsniveau ab. Es lassen sich aber einige Kriterien benennen, die eine niedrige Qualität des Autors oder Dozenten erkennen lassen. Hierzu gehören z. B.:

  • Selbstlob oder der wiederholte Hinweis auf die eigenen Leistungen,
  • ein hoher Anteil von Wertungen und geringer Anteil von objektiver Analyse, die aus einfachen Annahmen abgeleitet ist,
  • einfache Wahrheiten, die plausibel klingen, aber weder mit objektiver Analyse untermauert noch durch objektive Daten belegt sind,
  • geringer Anteil an innovativen Ergebnissen,
  • Literatur, auf die sich bezogen wird, die nicht mehr den letzten Stand der Forschung wiedergibt.
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„https://www.youtube.com/watch?v=aaawFfJnj-Q“
„Professor Ed Schein for CoachingOurselves on Humble Consulting and Leading“
Demgegenüber lassen sich Kriterien finden, die signalisieren, dass es sich hier um einen Dozenten oder Autor handelt, der über eine höhere wissenschaftliche Kompetenz verfügt. Zu diesen Kriterien gehören z. B.:

  • Präsentation von „counterintuitive results“, also Resultaten, die unsere ursprüngliche Intuition widerlegen,
  • Definition von wissenschaftlichen Standards, denen sich Forscher unterwerfen müssen und die für die Beurteilung von Forschungsresultaten anzulegen ist,
  • der Innovationsgehalt der wissenschaftlichen Resultate, die ein Wissenschaftler generiert und die über das hinausgehen, was vorher bekannt war,
  • die Fähigkeit, die historische Entwicklung einer Forschungslinie aufzuzeigen und die notwendige Bescheidenheit aufzubringen, dass das eigene Resultat auch nicht „das letzte Wort“ in dieser Diskussion sein wird.

Man kann die Antwort auf diese Frage auch etwas weniger charmant wie folgt ausdrücken. „Wenn Sie 10 Seiten relativ schnell haben durchlesen können und Sie an keiner Stelle Verständnisschwierigkeiten hatten, oder eine Passage zweimal durchlesen mussten, bevor Sie sie verstanden hatten, dann wissen Sie dass das Qualitätsniveau nicht allzu hoch war, denn anspruchsvolle Texte führen immer zu Verständnisschwierigkeiten. Nur dann bringen sie unser Verständnis wirklich weiter und erweitern unser Verstehen über das hinaus, was wir bereits vorher ja ohnehin schon wussten.

Veränderungen der Lernmotivation über den Lebenszyklus hinweg

Wer zu einer marginalisierten Gruppen gehört und von anderen Menschen tendenziell in seinen Fähigkeiten unterschätzt wird, der ist von vornherein stärker motiviert, Kompetenzen und Fähigkeiten durch Lernen aufzubauen, als Menschen, die ohnehin schon aufgrund ihrer körperlichen Erscheinung oder ihrer sozialen Herkunft von anderen Menschen bewundert, beneidet oder zumindest hoch geachtet werden. Wer unterrichtet hat, der kann diese Korrelation zwischen Benachteiligung und besonderer Motivation immer wieder beobachten. Was sagt uns das aber über die Entwicklung der Lernmotivation des Menschen über seinen Lebenszyklus hinweg?

In traditionellen Gesellschaften erfahren beispielsweise ältere Menschen besonderen Respekt, Achtung und die Unterstützung der Gesellschaft. In unserer Gesellschaft aber auch in den USA sinkt die soziale Stellung über den Lebenszyklus tendenziell eher als dass sie steigt. Für die über 50jährigen Männer sind die Karrierewürfel längst gefallen. Ihre Macht und ihr Einfluss hat häufig den Zenit überschritten. Bei Frauen ist auch heute noch die Aufmerksamkeit und die soziale Stellung stark an die physische Attraktivität gekoppelt. Dementsprechend liegt hier der Zenit in vielen Fällen noch viele Jahre früher.

Gleichzeitig hat sich in den Köpfen die Ansicht verfestigt, dass ältere Personen weniger in der Lage wären, sich neues Wissen anzueignen als junge. Unabhängig von ihrer Lernmotivation und ihren Lernerfolgen, erwartet ihre Umwelt gar nicht von ihnen, dass sie noch Neues lernen würden oder könnten. Diese Veränderungen im Umfeld kann zwei sehr unterschiedliche Reaktionen hervorrufen: Resignation oder überdurchschnittliche Lernmotivation.

Woran wird es liegen, ob eine Person besonders zum Lernen durch diese Marginalisierung motiviert wird, oder eher resigniert? Wer bereits in frühen Lebensjahren erfahren hat, dass es durch besondere Anstrengungen beim Lernen möglich ist, der Marginalisierung entgegenzuwirken, der lässt sich auch in der zweiten Lebenshälfte nicht durch seine Umwelt schrecken, sondern intensiviert die eigenen Anstrengung noch ein weiteres Mal. Man darf also erwarten, dass diese Gruppe die Anstrengungen beim Lernen nicht reduzieren, sondern eher intensivieren wird. Wer aber zu Beginn der beruflichen Entwicklung „auf der Sonnenseite“ stand, und aufgrund von Physis und/oder sozialer Herkunft nicht gezwungen war, besonderen Einsatz beim Lernen zeigen zu müssen, sondern auch ohne solche Anstrengungen schnell in Organisationen zum Ziel kam, der wird im fortgeschrittenen Alter nicht plötzlich Lernen und Bildung als eine Lebensstrategie entdecken.

Weiterbildungsressourcen zur Internet-Recherche im Internet

„Rumgooglen“ kann jeder, aber wie verbessert man seine Recherchefähigkeiten und wird wirklich professionell dabei, in kurzer Zeit das zu finden, was man sucht, und vor allem auch das zu finden, was andere nicht so schnell und zielgerichtet finden wie man selbst? Die Antwort lautet: Durch Weiterbildung. Jetzt braucht man aber keine teuren Online Kurse oder Studienprogramme zu belegen, um das zu lernen. Man kann das Internet dazu nutzen, um über das Internet zu lernen. Aber wie sucht und findet man im Internet Bildungsressourcen, um seine Fähigkeiten bei der Internet-Suche  zu verbessern?

Ganz einfach: Sie sind diesen Menschen, die für Sie die Antwort haben, vermutlich bereits begegnet. Niemand kann besser recherchieren als Bibliothekare. Bibliothekare lieben nicht nur Bücher mehr als durchschnittliche Menschen, sie leben auch mit ihnen und obwohl einige von ihnen von mehreren Hunderttausend Büchern umgeben sind, können sie Ihnen doch schnell und zielgerichtet den Weg zu dem einen Buch weisen, das Ihnen die Antworten gibt, die Sie suchen.

Um von diesen Professionals zu lernen, brauchen Sie aber nicht den Weg zur Universitätsbibliothek anzutreten, viele von ihnen haben sehr hilfreiche Wegweiser durch das Internet offen zugänglich gemacht. Die finden Sie z. B. durch eine Suchabfrage bei Google mit: internet search guide library site:.edu.

Zwei solcher Wegweiser, die beim Start helfen, sind z. B.:

Screenshot von: http://libguides.princeton.edu/industry
Screenshot von: http://libguides.rutgers.edu/content.php?pid=134804&sid=1155538 am: 14. Januar 2018

In unserem Beitrag „Journals“ haben wir bereits einige der Websites vorgestellt, die man nutzen sollte, wenn man wissenschaftliche Artikel – insbesondere zu Eye-Tracking Themen – sucht. Eine weitere Quelle zu Suchmaschinen für wissenschaftliche Artikel, ist die Website „100 Search Engines For Academic Research“ von Terry Heick.

Auch zur Internet Suche gibt es einige lohnenswerte Bücher, wie z. B.:

Hock, Randolph E., [2010], The Extreme Searcher’s Internet Handbook: A Guide for the Serious Searcher, 3. Auflage, CyberAge Books, Information Today, Inc., New Jersey, 2010.

Macleod, Don, [2012], How to Find Out Anything – From Extreme Google Searches to Scouring Government Documents, a Guide to Uncovering Anything About Everyone and Everything, Penguin Books Ltd., Prentice Hall Press, 2012.

Lewandowski, Dirk, (Ed.), Web Search Engine Research, Emerald Group Publishing Limited, 2012.

Bücher zu den Selbstlern-Techniken

Es gibt wahrscheinlich kein Thema, das zu lernen wichtiger ist, als das Erlernen effektiver Lern-Techniken. Deshalb ist es keine Zeitverschwendung, sondern dient der Zeitersparnis, zumindest eins der Bücher zum Erlernen dieser Techniken zu lesen:

du Boulay, Doreen, [2009], Study Skills For Dummies, John Wiley & Sons, 2009.

Frantzen, Dieter, [2000], Effizient lernen – Wie Sie Ihre Qualifikation selbst managen, 2., überarbeitete Auflage, Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH, Wiesbaden, 2000.

Gibbons, Maurice, [2002], The Self-Directed Learning Handbook – Challenging Adolescent Students to Excel, by John Wiley & Sons, Inc., Published by Jossey-Bass, 2002.

Moore, Sarah, Neville, Colin, Murphy, Maura and Connolly, Cornelia, [2010], The Ultimate Study Skills Handbook, Open University Press, 2010.

Müller, Rudolf, Jürgens, Martin, Krebs, Klaus und von Prittwitz, Joachim, [2005], 30 Minuten für effektive Selbstlerntechniken, GABAL Verlag GmbH, Offenbach, 2005.

Nolting, Paul D., [2010], Math Study Skills Workbook – Your Guide to Reducing Test Anxiety and Improving Study Strategies, Fourth Edition, Cengage Learning, 2010.

Oakley, Barbara A., [2014], A Mind for Numbers: How to Excel at Math and Science (even if You Flunked Algebra), Penguin Random House Company, 2014.

Wong, Linda, [2009], Essential Study Skills, Sixth Edition, Houghton Mifflin Company, 2009.

 

[1] von Rosenbladt, Bernhard und Bilger, Frauke, [2008], „Weiterbildungsbeteiligung in Deutschland – Eckdaten zum BSW-AES 2007“, TNS Infratest Sozialforschung, München im Projektverbund mit Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE), Bonn, Institut für Entwicklungsplanung und Strukturforschung (IES), Hannover, Helmut Kuwan Sozialwissenschaftliche Forschung und Beratung, München, Januar 2008.

[1] Zu WordPress gibt es mittlerweile eine kaum überschaubare Anzahl von Büchern, von denen sich auch sehr viele auf Google Books befinden, und damit dem Nutzer erlauben, viele Seiten pro Buch kostenlos zu lesen.

[1] Ashworth, Jess, [2016], “Science-Backed Tricks To Improve Your Studying”, 20. June 20, 2016.

[1] https://www.google.com/search?as_st=y&tbm=isch&as_q=accounting+cartoon&as_epq=&as_oq=&as_eq=&imgsz=&imgar=&imgc=&imgcolor=&imgtype=&cr=&as_sitesearch=&safe=images&as_filetype=&as_rights=&gws_rd=ssl#gws_rd=ssl&imgrc=_

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